Wenn morgens um 7 Uhr der Wecker Klingelt,

dann hat Thomas Rateitschak schon ein Drittel seines Arbeitstages hinter sich. Zu dieser Zeit liegen die Brötchen längst frisch im Regal, der Kuchen duftet und eine Tasse starker Kaffee im Laden läßt manch morgengestreßten Büromenschen erst richtig in Gang kommen.

Thomas Rateitschak ist Frühaufsteher. Für ihn ist die Nacht um 1 Uhr zu Ende und er weiß, daß er mit seiner Lieferung in Verzug kommt, wenn es nur 10 Minuten später wird. Alles ist bis aufs kleinste hinein geplant: aufstehen, duschen, und ab in die Backstube, die gleich neben der Wohnung liegt.

Er ist der erste im Geschäft, seine Mitarbeiter trudeln nach und nach ein. Die Lehrlinge - fast die Hälfte seines Teams - kommen gegen 4.30 Uhr. Bis 6 Uhr ist es ein Rennen gegen die Uhr, dann nämlich muß alles fertig sein, denn der Laden öffnet seine Pforten.

Seit Jahren unterwirft sich Thomas Rateitschak dieser Routine, jeden Tag. Es ist Stress und Knochenarbeit. Sechs Stunden Schlaf müssen reichen.
Dennoch liebt er seinen Beruf: "Ich bin stolz, daß ich den Betrieb nun schon in der vierten Generation weiterführe," sagt er. Und er ist ehrgeizig. Er führt die breite Palette an Backwaren weiter, die seine Vorväter eingeführt hatten und sichert so die Existenz des Familienunternehmens.

Etwa 500 Produkte gehören zum Sortiment, darunter ein breit gefächertes Angebot für Diabetiker und Spezialanfertigungen für besondere Anlässe. Und auch am Sonntag kann man frische Brötchen und Kuchen bei Rateitschak kaufen.

 

Vor 80 Jahren wurde das Unternehmen Rateitschak als kleine Feinbäckerei ins Leben gerufen. Bäckermeister Oskar Rateitschak begann mit einerVerkäuferin, seiner Ehefrau. Heute arbeiten 22 Mitarbeiter hier. Die Anforderungen haben sich verändert, natürlich. Verschwunden ist der muskulöse Bäckergesell, der in Handarbeit stundenlang Teig kneten konnte.
Dafür muß man heute wissen, wieviel Prozent Ballaststoffe 300 g Brot enthalten, wie man die EDV-gesteuerten Knetmaschinen bedient und wie exotische Früchte haltbar gelagert werden müssen. Oskar Rateitschak würde sich sicher sehr über die Bäckerei seines Urenkels wundern, die ihn mehr an einen Maschinenpark denn eine Backstube erinnert.

Trotz dieser Fortschritte - eines hat sich jedoch über die Jahrzehnte hinweg erhalten und wurde von Generation zu Generation weitergegeben: die Liebe zum Beruf und das handwerkliche Können der Rateitschaks. Bewährtes wie der Stollen und die Splitterbrötchen z.B. werden noch heute nach dem Rezept von Firmengründer Oskar Rateitschak gebacken. Und das von Gerd-Günter Rateitschak (Inhaber des Geschäfts von 1974 bis 1995)
eingeführte Diabetikersortiment lockt seit jeher Kunden aus anderen Bezirken in den Wedding. Diese auf Fruchtzuckerbasis entwickelten Backwaren waren eine Neuheit in Berlin und zeugen derzeit vom hohen Wissensstand der Bäcker und ihrer Backkunst. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen das Café Möhring und das Luxuskaufhaus KaDeWe, wo die leckeren Torten das Herz der zumeist weiblichen Kundschaft höher schlagen lassen.



9.00 Uhr. Inzwischen geht es in die nächste Runde in der Backstube.

30 Blechkuchen müssen gebacken werden, der Teig geht schon seit 1 Stunde und nun muß der Belag bestimmt werden: Obst der Saison, Mandeln, Streusel, Marzipan oder Honig. Danach kommt Mutter Roswitha Rateitschak herein und will wissen, wann die Bestellung für Frau Meier -eine Diabetikertorte für ihren Geburtstag - fertig wird.

 

An Aufträgen mangelt es nicht, doch die Zeiten sind schwerer geworden.
Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld lassen so manchen Bäcker kapitulieren. Dennoch, Thomas Rateitschak ist Idealist. Vor zwei Jahren baute er zwei Filialen auf, um dem Trend des Bäckersterbens entgegenzuwirken. 1990 gab es 533 Handwerksbetriebe in Berlin, heute sind es gerade mal noch 312. "Ich möchte meinen Kunden weiterhin Qualität nach bewährten Rezepten anbieten und nicht auf die Massenproduktion der Großbäckereien ausweichen," sagt er. Das wird immer schwieriger, denn Qualität und Handarbeit haben ihren Preis und oftmals können kleine Betriebe mit den Niedrigpreisen der Großanbieter nicht mithalten. Dennoch glaubt er an die Zukunft des Bäckerhandwerk und entwickelt Initiativen, wie er seine Ware an die Kunden bringen kann.

Im November 1999 wurde das neue Bäckerei-Café in der Müllerstr. 95 eröffnet. In gemütlicher Atmosphäre kann man hier Kuchen und Torten probieren, einen kleinen Imbiß nehmen, eine Bestellung aufgeben oder einfach nur auf jemanden warten. Große Aufregung herrschte, als die ersten Gäste Herr und Frau Frank mit einem Blumenstrauß begrüßt wurden. "Das Café ist schön geworden und ist sehr geschmackvoll eingerichtet," sagt sie."Der italienische Kaffee hat heute besonders gut geschmeckt." fügt er hinzu.

Die ganze Familie hatte mitgefiebert. Mutter Rateitschak, die auch im Laden verkauft, arbeitete tagelang an der Dekoration bis spät in die Nacht, Vater Rateitschak stellte die Karte zusammen und Bruder Stephan machte die Fotos. Die Eröffnung war für alle ein großer Erfolg. Die dritte Filiale eröffnete im Dezember vergangenen jahres und befindet sich in der Müllerstr. / Ecke Schöningstr. am U-Bahnhof Rehberge. Auch dort wartet ein reichhaltiges Angebot auf die Kunden. Also überzeugen Sie sich selbst und besuchen Sie uns in unserem Cafe’ und in den Filialen.

Wir wünschen Ihnen Guten Appetit !!!